Danis Hamburg Triathlon Teil 4: Stop & Go + Endspurt im Tiefflug

Es geht weiter mit dem letzten Teil zum Hamburg Triathlon. Teil 3 endete mit dem Weg aus der Wechselzone zur Laufstrecke und mir schießen direkt wieder die Gedanken in den Kopf, wenn ich an die ersten Meter denke: locker ist anders. Und wenn der Coach direkt am Ausgang der Wechselzone einem zuruft „Dani, Schultern locker lassen, ruhig anlaufen und langsam mit 5:10 am anfangen“, dann weißt Du, dass es sich nicht nur schlimm anfühlt, sondern es auch wirklich so schlimm aussieht. Na, dann werden das grandiose 10km bis zum Zieleinlauf. 😉

Der erste halbe Kilometer entlang der Wechselzone war ein Kampf mit der Pace und der Suche nach einem gleichmäßigen Laufrhythmus. Kurz nach der Wechselzone ging es in einem Schlenker Richtung Norden zur Außenalster. Und so richtig gut fühlte sich der Lauf nicht an. 5:10er Pace hin oder her. Die Vorgabe war, das Tempo bis zum Ende der 10km bis auf 4:40 anzuheben und die letzten 500m in einem Endspurt zu absolvieren. Es ist ja gut, wenn man einen Plan hat, aber an der Umsetzung haperte es.
Bei Kilometer 2,5 dann der erste kurze Stop und ich japste nach Luft und ging ein paar Meter. Ein älterer Triathlet lief in einem ähnlichen Tempo wie ich zuvor an mir vorbei, klopfte mir auf die Schulter und sagte: „Nicht stehen bleiben, immer weiterlaufen, aber langsamer!“ Ja, im Prinzip wusste ich es ja selber und hatte mir die letzten Meter oft die Worte „gehen oder stehenbleiben sind keine Option“ ins Bewusstsein geholt, jedoch war irgendwann die Luft weg. Aber inzwischen ging es wieder und ich lief weiter.

Der Kopf wollte zu Beginn der Laufstrecke zwar wahnsinnig viel, aber der Körper rebellierte. Und in einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit schrie der innere Schweinehund „gib auf, bleib stehen“. Dies war jedoch zu keiner Zeit eine Option. Egal wie sehr ich mich über die nicht so gute Schwimmzeit ärgerte und nach dem Chaos in der Wechselzone mich endgültig von der selbst gesteckten Zielzeit von 2:30:00 verabschiedete, ein DNF war nun wirklich nicht nötig. Es sollte der schönste Tag der Saison sein, daraufhin hatte ich 6 Monate trainiert. Die unzähligen Intervalleinheiten auf der Bahn sollten sich an diesem Tag auszahlen, aber es lief einfach nicht. An Stelle dessen kämpfte ich mich entlang der Außenalster und versuchte irgendwie die Pace zu halten.

Zusammenfassung Laufen

Zusammenfassung Laufen

Kurz nach dem Wendepunkt und der Verpflegungsstelle kamen auch noch Magenkrämpfe hinzu und ich musste zwischendurch immer mal wieder kurze Strecken gehen. Ich lief wieder an, überholte die Athleten, die mich bei der Gehpause überholt hatten, nur um dann doch nach einem Kilometer wieder ein Stück gehen zu müssen und überholt zu werden. Es war kein Spaß, aber ich schleppte mich im Stop & Go Modus bis zu dem Punkt wo die ersten Vorboten des letzten Kilometers zu erkennen waren: Eine Art Zielbogen mit der Aufschrift „You are a hero!“ Ich fühlte mich nicht wie ein Held und wollte nur noch, dass es vorbei ist. Am Liebsten wäre ich im Erdboden verschwunden. Doch dann hörte ich eine Stimme, die mich dermaßen aus meinen negativen Selbstgesprächen holte und mich anfeuerte: „Los jetzt, Endspurt! Schultern zurück, nicht zusammenfallen. 4:30er Pace! Zieh an! Go go go! Ich musste nicht schauen wer es war, denn solche Ansagen können nur von einem kommen: The Coach! Da lief er doch wirklich neben der Strecke mit einem dicken Rucksack auf dem Rücken und einer Standluftpumpe in der Hand mit. Das blieb nicht ungesehen und ich musste kurz grinsen als der der Moderator an dem Torbogen das ganze mit den Worten „das ist ja eine besondere Art der Unterstüzung, wenn man von Supportern mit der Luftpumpe in der Hand laufend zur Zielgeraden begleitet wird!“ Das war der Moment, der das ganze Leiden nur noch schlimmer machte, denn nun gab es kein zurück mehr. Vollgas, 500m beißen, egal welche Schmerzen es geben sollte! Die Pace war bei 4:20 und der Coach verabschiedete sich mit dem Satz „Weiter so, das ist Deine Zielgerade, genieße es!“ von mir und ich bog in die Poststraße ein. Viele Leute standen an der Strecke und jubelten allen Athleten zu. Ich nahm es wage war und dann wurden die letzten Schritte auf dem blauen Teppich und an der Tribüne vorbei absolviert… Ziel!!!

Post-Race Selfie

Post-Race Selfie

Im Ziel setzte ich mich erstmal an eine der Absperrungen und wollte einfach 2 Minuten für mich sein und schnappte nach Luft. Dann ging es Richtung Ausgang, wo meine Mama und der Coach schon warteten. Auf die Frage wie es lief und ob ich zufrieden bin antwortete ich … ihr könnt es euch nach der Schilderung oben denken …! Auch die aufmunternden Worte konnten den bitteren Beigeschmack vom nicht erreichten Ziel nicht komplett unvergessen machen, doch überwog in diesem Moment auch die Dankbarkeit, dass ich so toll vorbereitet und angefeuert worden bin. Ich hätte es mir nicht besser wünschen können.

Ein Blick auf die Uhr ergab, dass auch Sarah bald Richtung Zieleinlauf kommen müsste. Also ging es zur Zielgeraden und dort sah ich zuerst Anika, die ich bis dahin nur von Instagram kannte und feuerte sie an. Später erfuhr ich, dass Sarah sie auch auf der Strecke kennengelernt hatte, obwohl sie sich vorher gar nicht kannten. Die Welt ist echt klein und es ist schön, wenn man bekannte Gesichter immer mal wieder sieht.

High 5 von Sarah auf der Zielgeraden

High 5 von Sarah auf der Zielgeraden

Und dann kam Sarah in ihrem tollen Trisuit. Ich jubelte ihr zu, sie lachte, hatte Spaß und mega gute Laune. Das freute mich so sehr, da sie beim Berlin Triathlon so kämpfen musste. Und es ist umso schöner, wenn man sich gemeinsam mit der Freundin und Trainingspartnerin über Erfolge freuen kann. Ich machte ein paar Schnappschüsse mit meinem iPhone, klatsche Sarah ab, lief  dann noch 200m mit und motivierte sie so, wie es mir auch zuvor ergangen war! Die letzten Worte  waren: „Enjoy & I’ll see you behind the finish line!“

Nach dem Zieleinlauf herzten wir uns und tauschten uns aus, wie es bei uns üblich ist. Es wird gelacht, wir berichteten von den tollen und kuriosen Momenten des Wettkampfes und schauten unsere Platzierungen online nach. Zu meinem Erstaunen reichte es für Platz 49 von 625 Frauen und Platz 11 (von 106) in meiner Altersklasse und somit einen Platz unter den Top 10%. Damit hatte ich nun nicht gerechnet und dies lässt mich inzwischen doch positiv auf den Wettkampf zurückblicken.

Zusammenfassung Hamburg Triathlon

Zusammenfassung Hamburg Triathlon

Danach ging für Sarah wieder nach Berlin und für mich ein paar Tage an die Ostsee. Aber die Saison war ja noch nicht zu Ende und nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf. Die erste Mitteldistanz stand im Kalender. Und mit diesem Bericht geht es als nächstes weiter.

Recovery auf Rügen

Recovery auf Rügen

Ein Gedanke zu “Danis Hamburg Triathlon Teil 4: Stop & Go + Endspurt im Tiefflug

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