Sarahs Hamburg Triathlon Teil 4: Run and Done!

Nach 40 Kilometern durch Hamburg das Rad wieder in den dafür vorgesehenen Ständer friemeln, erst dann den Helm öffnen, ab aufs Rad damit. Die nackten Füße und die gebabypuderten Laufschuhe stecken… und huch! Schon fertig?

Etwas verwirrt stehe ich für den Bruchteil einer Sekunde in der Wechselzone und wundere mich, dass ich schon lauffertig bin. Das Ausziehen der Schuhe auf dem Rad hat sich wirklich doppelt und dreifach gelohnt. Ich schnappe mir noch schnell zwei Liquid Gels mit dem Gedanken „Die brauchst du eh nicht“ (haha, doch!), rufe Manu ein flottes Dankeschön zu – sie steht wieder an der Wechselzone und feuert mich unglaublich toll an – und ab geht’s auf die Laufstrecke. Nebenbei drehe ich noch die Startnummer nach vorne.

Die ersten Meter der Laufstrecke führen mich direkt an der Wechselzone entlang… als hätte man sie an diesem Sonntag nicht schon oft genug gesehen. Ich erhasche noch einen kurzen Blick auf unsere Trainerin Manu. Sie ruft mir immer noch zu, dass ich das alles toll mache. Ich freue mich unglaublich, dass sie da ist. Eine von Manus tollsten Eigenschaften ist, dass sie einfach unglaublich viel positive Energie mitbringt – ob als Beraterin im Training oder als Coach am Streckenrand. So trägt sie mich mit ihren Anfeuerungsrufen mit einem wunderbaren Hochgefühl über die ersten Laufmeter.

 

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Zum Auftakt geht es erstmal wieder an der Wechselzone vorbei

Ich fühle mich gut, meine Beine fühlen sich nach dem Radfahren nicht übermäßig komisch an… „Hätte ich auf dem Rad mehr Gas geben sollen?“, frage ich mich kurz, lasse den Gedanken dann aber ziehen. Wen interessiert das denn eigentlich? Ich will nur laufen und die letzten Minuten des Wettkampfs genießen.

 

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Die Laufstrecke ist gefühlte 20 km lang und schlängelt sich meist am Ufer der Alster vorbei

Die Strecke führt mich zügig an die Alster. Ich reiße schon mal mein Liquid Gel auf und nehme einen kleinen Schluck – von wegen „Die brauchst Du eh nicht“. Das praktische an den Liquid Gels von Multipower ist, dass sie auch wenn sie offen sind nicht auslaufen. Ich kann also einfach kleine Schlucke nehmen und es sonst auch offen normal in der kettenfettverschmierten Hand halten.
Ich laufe an der Alster entlang und nuckel an den Gel und laufe und laufe. Die Helfer an der Strecke sind wirklich alle unglaublich nett und toll!

 

Nach ein paar kurzen Momenten, vielleicht zwei Kilometern, fliegt mein Teamkollege Johann auf der entgegenkommenden Spur an mir vorbei. „Super Sarah, zieh durch jetzt!“, ruft er mir entgegen und springt wie eine Antilope weiter. Unglaublich, wie schnell und leicht das bei ihm aussieht. Die Gazelle.

 

Ich winke ihm zu und laufe weiter – was auch sonst. Ich versuche zwischendurch, mich auf eine saubere Technik zu konzentrieren, meine Schritte nicht zu lang werden zu lassen. Irgendwann sehe ich auch Mark und wir rufen uns gegenseitig Aufmunterungen zu.

 

Das Laufen an sich ist zwar anstrengend, klappt insgesamt aber gut. Im Vergleich zum Berlin Triathlon Anfang Juni ist das hier pure Entspannung. Ich weiß noch, wie unfassbar anstrengend sich das Laufen da angefühlt hat und wie sehr es mich gestresst hat, auf meine Garmin zu schauen und zu sehen, dass ich keinen 6 Minuten Pace halten kann.
Heute laufe ich ohne Uhr. Ich fühle mich so wohl, dass ich mir sicher bin, dass ich mir sicher bin, dass ich 7 Minuten für einen Kilometer brauche – Schneckentempo, aber ich bin wirklich richtig glücklich.

 

Auf einmal überholt mich ein bekanntes Gesicht. Es ist aber keines meiner Teammitglieder, sondern die Athletin, die ich auf dem Rad nicht abschütteln konnte! Hatte ich sie nicht ziehen lassen müssen, als meine Kette abgesprungen ist? Habe ich sie etwa in der Wechselzone überholt?
Wir unterhalten und kurz und lachen – ja, genau, wir kennen uns vom Rad. Dann zieht sie aber weiter und lässt mich erneut hinter sich. Jetzt kann ich wenigstens ihren Namen auf der Startnummer erkennen: Sie heißt Anika! Witzigerweise kommt sie auch aus Berlin – ihren Bericht zum Hamburg Triathlon findet ihr hier auf Facebook.

 

Dadurch, dass ich ohne Uhr laufe, weiß ich  nicht, wie viel ich schon hinter mir habe – an der Strecke stehen leider keine Kilometerschilder. Irgendwann – ich könnte schwören, dass ich schon mindestens 8 Kilometer unterwegs bin, kommt der Wendepunkt.
Halleluja, jetzt alles nochmal verkehrt herum.

 

Ich reiße auch das zweite Gel auf und schlabbere es weg. Blöderweise verfehle ich beim laufen irgendwie meinen Mund drücke mir das klebrige Zeug auf die Hand. Jetzt habe ich nicht nur schwarze Hände von der Fahrradkette, sondern auch noch Klebezeug dran, argh! Sowas könnte mich ja glatt wahnsinnig machen. Glücklicherweise ist die nächste Verpflegungsstation nicht mehr weit weg – dort kann ich erstmal meinen Müll loswerden und dann einen Becher Wasser nutzen, um meine Hände einigermaßen sauber zu bekommen.

 

Weiter geht’s auf die letzten Kilometer der Laufstrecke. Auf einmal finde ich Marieke in der Menge, aber sie ist auf dem Hin-, ich auf dem Rückweg. Mir ist sofort klar, dass etwas nicht stimmt. Marieke ist auf der Olympischen Distanz normalerweise etwa 30 Minuten schneller als ich – ich bin mit Abstand die langsamste aus dem Team. Sie sollte nicht hinter mir sein, schon gar nicht so weit.
Hatte sie Magenprobleme? Krämpfe? Ist sie mit dem Rad gestürzt? Ich rufe ihr zu, sie winkt aber nur ab.
Ich gehe erstmal davon aus, dass es ihr gut geht, denn sie läuft und sieht auf den ersten Blick normal aus.

 

Es geht also weiter für mich, wieder an der Alster entlang, wieder durch einen kleinen Fußgängertunnel. Die Gedanken an Marieke kann ich aber nicht recht hinter mir lassen und ich hoffe, dass es ihr gut geht.

 

Die Laufstrecke kommt mir nahezu endlos vor. Ist das hier ein Halbmarathon oder ein 10 Kilometerlauf? Ich habe zeitlich und streckenmäßig komplett den Überblick verloren und laufe einfach vor mich hin.

 

Endlich, endlich, endlich laufe ich wieder an der Binnenalster, bin fast am Jungfernstieg. Die Strecke wird wieder belebter – ich höre Musik, Menschen applaudieren. Die ersten riesigen aufgeblasenen Tore von Erdinger Alkoholfrei leuchten strahlend blau. Auf ihnen steht groß und breit: „You’re a hero“ – Du bist ein Held.

 

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Als ich diesen Schriftzug auf einem der riesigen blauen Tore lese, kommen mir fast die Tränen  – ein kleines bisschen Held ist man heute tatsächlich.

Vor lauter Rührung und Erschöpfung kommen mir fast die Tränen – ja, ein bisschen heldenhaft darf sich wirklich jeder fühlen, der seinen Körper, seinen Geist heute über diese Hamburger Strecke getragen hat. Ich laufe unter dem Torbogen durch und erspähe an der nächsten Ecke einen leuchtend roten Haarschopf – einer unserer Fotografen steht da, macht Fotos und feuert an. Ich grinse so breit, dass ich das Gefühl habe, dass mein Gesicht zerspringt. Ich kann gar nicht genug betonen, wie schön es ist, bekannte Gesichter an der Strecke zu sehen. Vor allem auf diesen anstrengend letzten Metern.
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Dani entdeckt – da wird erstmal abgeklatscht!

Weiter geht es durch die Hamburger Altstadt, die Straßen werden kleiner. Auf einmal steht Dani mit ihrer Mama am Straßenrand – sie ist schon fertig und umgezogen. Sie macht Fotos und feuert mich an, wie eine Wilde, rennt mir mit und gibt selbst nochmal alles – das ist einfach gold wert!

 

Die letzten Meter laufe ich aber alleine. Aus der kleinen, engen Straße laufe ich Richtung Rathausmarkt – und dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich. Die Szenerie öffnet sich, alles wird weit, groß, die kleine Straße wird zum Platz und alles ist knallblau – der Teppich, die Tribüne, der Zielbogen. Ein unglaublicher Anblick!

 

Schon beim herauslaufen auf den Platz sehe ich das Mutlipower Tri-Team im Ziel stehen. Sie sehen mich auch und fangen an, richtig Radau zu machen! Wie toll! Ich renne los, erkenne Jan mit seiner Kamera erst auf der Zielgeraden, lache ihn an und renne weiter, immer weiter lachend und jubelnd aufs Ziel zu und auch endlich hindurch – ich habe es geschafft, geschafft, geschafft! 3 Stunden und 8 Minuten nach meinem Start falle ich meinen Teamkollegen in die Arme, werde von Manu, Matze, Felix und Henning gedrückt.

 

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Erschöpft, aber glücklich – das ganze Team hat es gesund ins Ziel geschafft

Die Fotocrew ist da und auch Jan mit seiner Kamera. Ich darf direkt ein kleines Interview geben. Wie es denn gewesen sei, will Jan wissen. Unglaublich war es. Anstrengend und unglaublich toll. Ich bin einfach nur glücklich.

 

Wenige Minuten später kommt auch Marieke ins Ziel – wir heißen sie mit La Ola und allem, was dazu gehört herzlichst willkommen. Aber sie steht neben sich. Sie sei gefallen, erzählt sie, in der ersten Radrunde. Eine Passantin hätte sich an den Ordnern vorbei gedrängelt und ihr Rad über die Strecke schieben wollen. Natürlich war sie zu langsam. Natürlich hat sie die mit über 40 km/h herannahenden Rennradfahrer unterschätzt. Und natürlich konnte der Athlet neben Marieke nicht mehr rechtzeitig bremsen.

 

In der nachfolgenden Karambolage bleibt Marieke glücklicherweise unverletzt. Der Athlet neben ihr hat leider weniger Glück, schlägt sich Zähne aus, zieht sich Brüche zu. Polizei und Krankenwagen kommen sofort, Marieke muss sich sammeln und eine Zeugenaussage machen.
Danach ist sie allerdings aufs Rad gestiegen und weiter gefahren. Und dann ist sie gelaufen. Sie hat den Hamburg Triathlon 2016 gefinished. Und das verdient einfach unglaublichen Respekt – ich ziehe meinen Hut (oder auch den Fahrradhelm) vor Dir, Marieke!

 

Das erklärt am Ende natürlich das fehlende Rad in der Wechselzone und die Verspätung auf der Laufstrecke. Nach dieser Horrorgeschichte waren wir natürlich alle umso erleichterter, dass ihr nichts zugestoßen war und wir hoffen, dass es auch dem anderen Athleten mittlerweile wieder gut geht.

 

Am Ende des Tages waren jedenfalls alle fünf Multipowerathleten gesund im Ziel angekommen! Es war ein unfassbar tolles Erlebnis, das ich auf keinen Fall missen will!
Vielen lieben Dank an Multipower, die Organisatoren Felix und Henning, an Manu und Matze fürs tolle Coaching, die tolle und unfassbar sympathische Kameracrew und natürlich an meine Teammitglieder Johann, Matti, Mark und Marieke – es war so toll, dieses Erlebnis mit Euch zu teilen!

 

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Unser ganzes Multipower Tri-Team – mit allen, die uns vor Ort unterstützt haben – danke Leute! Es war grandios!


Was danach geschah:

Da sich die Jungs von Multipower ja nicht lumpen lassen, hatten sie auch noch ein weiteres Ass im Ärmel: Nachdem wir uns etwas akklimatisiert und mit ein paar Eiweißsmoothies versorgt hatten, ging es mit dem ganzen Team in die VIP Area direkt am Zielbereich. Das war nicht nur besonders cool, weil wir dort unsere leeren Kohlenhydratspeicher mit leckerem Essen und fruchtig-frischen Säften auffüllen konnten, sondern vor allem, weil wir so die Mixed Team Staffeln der Profi Athleten anschauen konnten. Es ist wirklich überhaupt nicht zu fassen, wie schnell diese Leute sind! Woooooosh, sie fliegen nur so durch die Wechselzone. Es ist aber auch beruhigend zu sehen, dass auch die Profis nach einem Wettkampf fix und fertig sind.

 

Für mich war es das erste Mal, dass ich Triathlonprofis live bei der Arbeit gesehen habe und ich muss sagen – ich bin schon ganz schön beeindruckt!

 

Im VIP Bereich haben wir übrigens auch Nils Goerke wieder getroffen – der sympathische Ex-Profi hatte das Mutlipowerteam schon bei unserer Ernährungsschulung unterstützt und war auch an diesem Sonntag wieder vor Ort. Er hat nicht nur seine Athleten angefeuert – er arbeitet natürlich auch als Trainer – sondern auch Zeit für uns und ein paar Triahtlonthemen gehabt. Es ist schon extrem cool, mal mit einem Profi quatschen zu können und auch festzustellen, dass das ganz normale, sympathische Menschen sind 😀

 

Abends hieß es dann für mich: Alle Sachen wieder in den Mietwagen und 3 Stunden zurück nach Berlin tuckern.
Ein picke-packe volles Wochenende, das aber unglaublich schön war! Genau so soll sich Triathlon ab und an anfühlen, denn dann lohnt sich auch das harte, lange Training.

 

Ich kann auf die vergangenen 10 Wochen zurückblicken und sagen, dass es eine unglaublich tolle Zeit war, die in einem tollen Wettkampf ihren Höhepunkt fand – und das, obwohl das meine langsamste Olympische Distanz war. Allen, die immer neuen Bestzeiten hinterher hecheln, sei also auch mal gesagt: Entspannt Euch ab und an mal, das Gefühl im Wettkampf ist der absolute Hammer!

 


Und die Zeiten?

Jaaaaaa, auch wenn ich hier Entspannung, Dankbarkeit und Glück predige, werfe natürlich auch ich einen Blick auf meine Zeiten – hier sind sie:

 

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Ich kann mit Stolz auf meine bisher schnellsten Schwimm- und Laufzeiten im Triathlon blicken. Das finde ich ganz schön gut!

 

Dennoch kann ich beim Laufen meine Leistung noch nicht vollständig abrufen – ich bin im Triathlon immer noch etwa 7 Minuten auf 10 Kilometer langsamer, als in einem normalen Laufwettkampf. Dieses Mal war das Gefühl beim Laufen aber einfach nur toll und entspannt! Deswegen bin ich zuversichtlich: Wenn ich beim Training vor allem bei den Koppeleinheiten dran bleibe, wird die Laufleistung sich auch beim Triathlon einstellen. Denn:

 

Good things take time, don’t they?

6 Gedanken zu “Sarahs Hamburg Triathlon Teil 4: Run and Done!

  1. Wahnsinn, ein toller Bericht, ich habe mit dir gefühlt, Glückwunsch zum Finish, dass du heil über die Strecke gekommen bist 🙂
    Das mit dem Passanten , kenne ich, ist gerade am Sonntag beim Ostseeman passiert, ältere Dame mit Sohn schlenderten über die Laufstrecke und schwups lagen sie am Boden,eine Horde Triathlen sind gekommen, aber es ging ihr gut und Sohnemann auch, dass wird ihnen eine Lehre sein, wozu stehen den Streckenposten, nicht zum Spass.
    Na dann kann ja die nächste OD ja kommen.
    Viel Spaß für deine Restliche Saison, toi toi toi
    Stimmt der Berlinman-MD
    na da hast du ja Programm
    🙂
    Gruss Marcus

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  2. Pingback: Der Berlin Triathlon 2016 – alles außer Fleischbällchen! | Triathlon by Accident

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