Sarahs Hamburg Triathlon Teil 2: Los geht’s mit Alsterwasser!

Dem Vortag des Hamburg Triathlons folgte eine unruhige Nacht. Obwohl ich nicht das Gefühl hatte, besonders aufgeregt zu sein, konnte ich nicht so gut einschlafen und bin nachts oft aufgewacht. Das Multipower Tri-Team sollte erst um 10:20 Uhr an den Start gehen und wir wollten uns auch erst um 8:30 Uhr treffen – wirklich sehr humane Zeiten für Triathlonverhältnisse. Als ich allerdings um 6:20 Uhr das 3. Mal aufwachte, weil ich hörte, wie jemand sein Rennrad über den Flur schob, beschloss ich aufzustehen. Ich mutmaße im Nachhinein, dass sich mein nervöses Unterbewusstsein das sanfte Rennradklickern eingebildet und so aus dem Bett getrieben hat!

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Der Blick auf die Schwimmstrecke am Vorabend

Um sieben gab es dann ein flottes Frühstück mit meinem Teamkollegen Matti und seiner Freundin, bevor ich im Hotelzimmer all meine Sachen zusammensammelte und mich schwer beladen (und ganz bestimmt auch laut scheppernd) auf den Weg zum Multipowerzelt machte. Das Team, die Trainer, Fotografen und Unterstützer waren natürlich schon da. Während Marieke ihr Rad vorbereitete, lag Johann auf einem der Fatboys und hörte Musik; Mark hatte seine Frau und Tochter mitgebracht. Alle waren irgendwie fröhlich und aufgeregt und wir Athleten vielleicht auch ein bisschen nervös.

 

Wir vertrödelten einige Zeit im Multipowerzelt, bis es langsam ein bisschen unruhig wurde. Wir mussten ja noch in die Wechselzone und unsere Räder einchecken! Eine der Besonderheiten des Hamburg Triathlons ist, dass es innerhalb der Startblöcke freie Platzwahl gibt. Wenn man also 5 Plätze nebeneinander haben will, sollte man also früh da sein. Eigentlich.

 

Etwas knapp machten wir uns also auf zur Wechselzone. Es fühlte sich zuweilen an, als wären wir in einem Pulk von 20 Leuten unterwegs – 5 Teammitglieder, die Trainer, die Kameramänner und Fotografen. Zwischendurch fühlt man sich schon wie ein kleiner Star 😉 Ich musste während der Vorbereitungen auch so oft an den Film „Wechselzeiten“ denken und schmunzeln… Aber ich schweife ab!

 

Nachdem Henning uns profimäßig und vielleicht ein klitzekleines bisschen an der Schlange vorbei in die Wechselzone geschmuggelt hatte (ein Dankeschön an dieser Stelle an Henning und eine Entschuldigung an alle anderen Athleten), hieß es also: Wechselzone aufbauen.
Ja richtig. Ähhhhm… ich brauchte erstmal einen Moment, um alles auf die Reihe zu bekommen. In Hamburg gibt es in der Wechselzone gelbe Postboxen und ich war kurz verwirrt, was da wann rein kommt. (Für alle Rookies wie mich: Da feuert man die Sachen rein, die man ablegt – also den Neo, die Badekappe, den Helm, etc. – wenn man die Wechselzone einrichtet, darf die Box leer bleiben.)
Nachdem auch dieses Mysterium geklärt war, ging eigentlich alles ganz schnell.

 

Und dann hieß es auch schon: Zurück ins Zelt und hopp hopp ab in die Neos! Die Alster war ja mit 19 Grad (o.ä.) doch noch recht frisch. Plötzlich musste dann irgendwie alles schnell gehen. Ich war natürlich die Letzte, die ihren Neo noch nicht zu hatte, sodass Henning mir im Gehen zum Schwimmstart beim Schließen am Rücken behilflich sein musste. Ich musste natürlich total lachen, weil wir bestimmt ein grandioses Bild abgaben. „Los Sarah, wir machen das im Gehen“ – Alles klar!

start

Ich hatte beim Race Briefing zuvor gelesen, dass alle Athleten eines Startblocks 20 Minuten vor dem Start in irgendeine Warm-up Zone müssen und mir noch vorgestellt, wie schlimm das sein muss, wenn man total aufgeregt noch 20 Minuten frierend auf die Angst einflößende Alster mit ihren Brücken blicken muss.
Aber was ist das Gute, wenn man spät dran ist? Richtig, die Wartezeit entfällt!
Mir sollte es Recht sein. In meiner Erinnerung verschwimmen die Minuten vor dem Start ein bisschen.

 

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Letzte Umarmungen bevor es ins Wasser geht – natürlich festgehalten von unseren liebsten Multimedialeuten 🙂

Schnappschußartig geht mir jetzt alles durch den Kopf:
Rein in den Startbereich. Treppen runter. Holy Sh**, da ist schon das Wasser. Rechts rum. Alle nochmal umarmen. Liebe Worte von Matze, Manu, Felix, Henning. Die Multimedialeute, die man über die letzten Wochen auch so lieb gewonnen hat, sind auch da. Wir gehen weiter. Jetzt geht es gleich ins Wasser. Jeden aus dem Team nochmal umarmen. Johann, Matti, Mark, Marieke. Springen wir jetzt ins Wasser? Ich möchte eigentlich die Leiter nehmen. Aber irgendwie ist Springen cooler. Ein letzer Blick zum Schwimmtrainer und reingehüpft. Jetzt bin ich auf einmal in der Alster.

 

Mein erster Gedanke war: Die Alster ist braun. Vor sechs Wochen bin ich noch in der Spree geschwommen. Die Spree ist grün, die Alster braun.
Wir schwimmen alle ein Stückchen bis zur Leine im Wasser. „Tanz der Moleküle“ von Mia ist unser Startlied… ich mag das Lied. Ich blicke mich um. Zum allerersten Mal bei einem Triathlon bin ich nicht alleine an der Startlinie.
Wenn ich mit Dani zusammen antrete, ist sie immer ganz weit vorne im Feld und ich ganz weit hinten. Dieses Mal ist das Startfeld aber so breit auseinander gezogen, dass ich mich in der 2. Reihe wohlfühle. Matti, Mark und Johann sind in meiner Nähe, Marieke muss das Bändchen mit dem Zeitmesschip nochmal richten. „Mein Herz tanzt… und jedes Molekül bewegt sich“, singt Mia in mein Ohr. Wie passend.

 

Anschließend ertönt die Ansage „Machen Sie sich für Ihren Start bereit“. Anschließend folgen 3 laute Herzschlagtöne durch die Lautsprecher. Ich bin ganz ruhig. Dann fällt der Startschuss und das ganze Feld setzt sich auf einmal in Bewegung. Braunes Wasser spritzt wild in der Gegend herum und ich mache mich auf das gefasst, was immer bei Schwimmstarts passiert: Alle schlagen um sich, Menschen überschwimmen mich fast, bis sie mich endlich überholen, ich kriege Tritte ab und kann kaum atmen. Doch all dies geschieht dieses Mal nicht. Und das obwohl sich das Feld um mich herum kaum lichtet.
Normalerweise dauert es etwa 5 Minuten bis ich mit Brustschwimmern und langsamen Kraulschwimmern allein bin – dieses Mal bleibe ich einfach im Feld.

 

Mir fällt auf, dass vom Schwimmstart aus laute Musik über die Alster tönt. Das gefällt mir echt gut, es lenkt etwas von der eigenen Unsicherheit ab. Allerdings: Gerade in diesem Moment fällt mir auf, dass ich keine Angst habe.

 

schwimmstrecke

Die Schwimmstrecke der Olympischen Distanz – wer genau hinsieht, findet meine Zeit

 

In den Wochen vor dem Wettkampf habe ich den Gedanken an das Schwimmen in der Alster oft weg geschoben, weil er mir Angst gemacht hat.
Jetzt schwimme ich tatsächlich in der Alster und fühle mich gut, sicher. Ich mache unter Wasser immer die Augen zu, weil ich eh nur braune Brühe sehe. Ich schaue mir also den Himmel an und blicke etwa alle 6 Züge, also bei jedem 3. oder 4. Atmen nach vorne. Ich schwimme relativ gerade auf die ersten beiden Brücken zu. Ich habe das Gefühl, dass sie schnell näher kommen. Das ist gut. Einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen – genau das mache ich.

 

Die Brücken kommen immer näher, aber erstaunlicherweise stört mich das gar nicht. Vor dem Wettkampf habe ich oft überlegt, ob ich unter den Brücken Brust schwimmen sollte, weil mir das oft noch leichter fällt. Jetzt, im Wettkampf, kommt das gar nicht in Frage. Ich schwimme unter der Kennedybrücke und der Lombardsbrücke hindurch und es stört mich nicht die Bohne. Immer wieder überhole ich andere Schwimmer – auch das ist für mich eine ganz neue Erfahrung! Auf der Außenalster geht es um die Wendeboje rum und wieder unter den Brücken hindurch, nun in Richtung Jungfernstieg.
brücken

Wenn man unter der Lombardsbrücke durch schwimmt, kann man immerhin schöne Muster bestaunen.

„Die Hälfte ist geschafft“, denke ich und erinnere mich daran, dass mich an diesem Punkt vor 6 Wochen beim Berlin Triathlon die Lust verlassen hat. Ich muss schmunzeln und blicke Richtung Jungfernstieg. Da müssen wir also auch noch durch.
Weil ich nach links atme, blicke ich jetzt immer öfter direkt in die Sonne, die sich endlich zeigt. Ich mache nun also auch beim Atmen größenteils die Augen zu, um nicht geblendet zu werden. Ich genieße die Kurze Wärme im Gesicht trotzdem und schaue weiterhin oft nach vorne.

 

Im Training hatte ich oft das Problem, zu sehr nach links zu schwimmen, doch heute scheint es zu gehen.
Wir haben mittlerweile wieder etwa die Hälfte der Binnenalster passiert und ich stelle erstaunt fest, dass ich zwei Schwimmer aus der vorigen Staffelstartgruppe überholen kann und frage mich noch, wie das möglich ist. Das Feld befindet sich jetzt größtenteils zu meiner Linken. Ich frage mich, wieso – frage mich, ob ich wieder abdrifte, schaue nochmal nach vorne. Nein, der Jungfernstieg liegt direkt vor mir und kommt stetig näher. Ich schwimme weiter auf meinem Kurs. Das hätte ich mich vor 6 Wochen garantiert auch nicht getraut.

 

Jetzt ist der Jungfernstieg gleich erreicht. Viele Horrorgeschichten hab ich vorher gehört – es stinkt, es ist stockdunkel, sagten die Einen. „Da willst du schwimmen?“, riefen andere entsetzt. Vor Wettkampf hatte ich davor auch einfach nur Schiss. Jetzt atme ich nochmal tief durch (so gut das eben im Wasser geht) – und kraule einfach weiter. Ja, es ist dunkel. Es riecht aber ganz normal. Es ist vollkommen in Ordnung, den Jungfernstieg von unten zu sehen. Ziegel halt. Davor hatte ich vorher irgendwie irrationale Angst. Ich habe jetzt aber gar keine. Ich gleite fast schon entspannt unter der Brücke durch.

 

Nach etwa der Hälfte bekomme ich allerdings einen Krampf in der rechten Wade. Ich bin etwas überrascht, denn eigentlich habe ich nie Probleme mit Krämpfen im Wasser. Ich versuche, den Krampf aus dem Bein zu schütteln, aber es klappt nicht. Ich muss das rechte Bein tatsächlich kurz anziehen, kann dann aber einfach weiter schwimmen. Und das alles unter einer Brücke! Letztes Jahr hätte ich mich vermutlich panisch aus dem Wasser ziehen lassen müssen.

 

Nachdem man den Jungfernstieg passiert hat, sind es nur noch ein paar Meter bis zum Schwimmausstieg. Natürlich setzen jetzt alle zum Sprint an, braunes Wasser spritzt wieder rum. Ich schwimme ganz ruhig weiter, lasse die Sprinter überholen. Ich denke mir: „Was soll’s?“ Entweder ist die Schwimmzeit gut oder nicht, aber ich weiß, dass ich noch 50 Kilometer vor mir habe und gehe kein Risiko ein.
schwimmausstieg

Der Schwimmausstieg vor dem Wettkampf – so ruhig war es später natürlich nicht mehr

Ich erreiche die Rampe am Schwimmausstieg und ein netter Helfer zieht mich in die Senkrechte.Hui, hallo Kreislauf! Etwas wackelig tapse ich die Rampe hoch und ein paar Stufen hinauf. Dort entdecke ich den roten Haarschopf eines unserer Fotografen und rufe freundlich „Hallo!“ und winke. Er ist kurz perplex, dann überrascht und sagt dann: „Was machst Du denn schon hier?“ Hahaha, das habe ich nach dem Schwimmen noch NIE gehört! Allein das zählt schon als Triumph!

 

Mein Kreislauf ist endlich in der Senkrechten angekommen und ich renne den nassen blauen Teppich entlang, überhole Männer und Frauen und ziehe den Neo bis zur Hüfte aus. Dass ich meine bisherige – zugegebenermaßen langsame – Schwimmzeit von rund 42 Minuten um fast 4 Minuten unterboten hatte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht (ich bin ohne meine geliebte Garmin Forerunner 920xt gestartet, sie ist kaputt). Ich war einfach nur glücklich, dass ich das Schwimmen so gut überstanden hatte!

 

Ich wusste ja, dass die Wechselzone in Hamburg lang ist, aber auch der Weg vom Schwimmausstieg dorthin ist auch nicht zu unterschätzen!
Nach der Rennerei im Neo, war ich froh, als ich endlich das Schild vor mir sah, das die Wechselzone ankündigte…

Wie es mir auf dem Rad ergangen ist, erfahrt ihr im nächsten Beitrag zum Hamburg Triathlon!

3 Gedanken zu “Sarahs Hamburg Triathlon Teil 2: Los geht’s mit Alsterwasser!

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